DAS SPIEL & DIE SPUR

Auch Arno Stern spricht immer wieder davon, wie sich in den letzten Jahrzehnten (sogar) die Fähigkeit der Kinder einfach ‚loszuspielen‘ wenn sie in den Malort kamen, verändert hat; er bedauert wie eingeschränkt die Kinder unserer Zeit oftmals in ihrer SPIELFÄHIGKEIT sind…

„Nach der ersten Malstunde sind die meisten Kinder unzufrieden. Man darf die Bilder nicht mit nach Hause nehmen und man bekommt keine Bewertung. Man gibt sich Mühe, aber man wird für seine Arbeit nicht belohnt. (…) Die strenge Anordnung hier entspricht nicht den Gewohnheiten der Kinder heute, die alles Mögliche tun, nur nicht sich konzentrieren. (…) Aber nach ein paar Malstunden fangen die Kinder an, sich wohlzufühlen. Vor 30 Jahren haben die Kinder, wenn sie in den Malort gekommen sind, noch gespielt. Wenn ich Bilder betrachte, die bis 1980 entstanden sind, spiegelte sich in ihnen noch Üppigkeit und Begeisterung wieder. Das ist verloren gegangen. Heute ist die erste Frage: Was soll ich tun? Das Kind spielt gar nicht. Es erwartet irgendeinen Auftrag.“ (ARNO STERN im erziehungsKUNST-Interview)

Arno Stern bringt das mit dem Einfluss der Kunsterziehung auf die Kinder in Verbindung, überhaupt mit dem Einfluss von Erwachsenen auf das malende Kind.

„Und so gehörte die natürliche Spur dem Leben eines jeden Kindes an, gehörte zu seinen Lieblingsspielen, in denen es sich eine eigene Welt anlegte und genießerisch darin seine unzweifelte Wirklichkeit erlebte.  (…) Warum wurde dem Kind dieses Spiel verdorben? Ich stelle immer wieder diese Frage. Sie ist an fast alle Erwachsenen gerichtet – an sie alle, die mit der Absicht, das Kind zu bilden, eine kinderlose Gesellschaft einrichten.“ ARNO STERN (2015, S. 16)

Im Malort gibt es keine Belehrung, keine Unterweisung – es gäbe auch nichts, was dem Kind gelehrt werden könnte oder müsste – alles liegt in uns: Hast du Lust es aufzuwecken? Ich habe große Lust: damit wir in unserer vom leistungsorientierten Denken beherrschten Welt die spielerische Kreativität nicht verlieren.

„[Das Kind] macht eine beglückende Erfahrung mit sich selbst, mit seiner eigenen Lust am selbständigen Entdecken und Gestalten. Und diese Lust, die es dabei erfährt, wird tief im Gehirn verankert. Kinder, die so etwas erleben dürfen, sind glücklich, nicht, weil sie eine besondere Leistung erbracht haben und von anderen dafür Lob und Anerkennung bekommen, sondern, weil sie sich selbst in ihrer eigenen Lust am Tätig- und Lebendigsein erfahren.“
Gerald Hüther, Neurobiologe