Das MALEN im Malort

Im Malort geht es um’s Malen, dafür ist der Ort eingerichtet – Pinsel, Farbe, Papier, Reißnägel zum Anbringen an den Wänden – und das, was hier stattfinden soll nennt Arno Stern, der Erfinder das Malortes, das MALSPIEL. Mal-Spiel, nicht einfach nur Malen.

Arno Stern hat für die ‚Bild-Dinge‘ bewusst neue Worte gefunden, damit uns deutlich vor Augen steht, dass wir es hier mit Begriffen – und einem Denken – zu tun haben, die (uns) bislang unbekannt und unbenannt waren… Er schafft damit eine Abgrenzung zu dem Malen, das wir schon kennen und bisher kannten – dem künstlerischen, dem ‚erlernten‘ und dem Gefühle und Gedanken vermittelnden Malen.
Sonst verstehen wir eine Spur, die jemand hinterlässt als Zeichen – das ist das gleiche wie ‚Zeigen‘. Im Malort geht es um das natürliche, freie und spontane (aber nicht zufällige) Malen, das aus uns herauskommt. Im Malort soll (und braucht!) keine Botschaft im Ausdruck des Malenden enthalten sein – darum ist hier alles so wie es ist, und dafür ist hier alles so wie es ist…

Arno Stern hat auf die Frage, was man im Malort bekomme, geantwortet, dass man „Vergnügen!“ bekomme… Der Malort ist ein SPIEL-ORT. Und ich finde es wunderbar in diesem Sinn, einen Ort des Spielens in dieser Zeit und in dieser Gesellschaft ermöglichen zu können.

FormulationVielleicht fragst du jetzt „Aber was ist es denn dann, das Gemalte, das da als Spur auf dem Papier zu sehen ist?“ Arno Stern hat auch hierfür ein Wort gefunden, das uns fremd ist, wie auch die Gedanken, die sich damit verbinden…  Er sagt, dass die Mal-Spur aus der FORMULATION entsteht. (Mehr dazu findest du hier…) Und er meint damit, dass es in jedem Menschen so etwas wie eine natürliche Bildsprache gibt, die sich wie ein ’natürliches Programm‘ entwickelt (beim kleinen Kind, wie beim reifen Menschen – wenn es dazu Gelegenheit gibt und die Entstehung nicht behindert oder gestört wird… ). Arno Stern war durch die vielen Bilder, die er im Malort gesehen hatte, darauf aufmerksam geworden, dass es immer wieder Ähnlichkeiten und Wiederholungen bei den Bildern gab – und sogar bei seinen Reisen zu anderen Kulturen sah er die gleichen Formen.Reisen A. Stern

„Die Formulation ist unabhängig von Kultur, von Lebensrahmen und -bedingungen, sie ist die gleiche beim Kind in unserer Gesellschaft, bei Nomaden in der Wüste, bei Urwaldbewohnern. Nach den ersten, noch motorisch bedingten Spuren des kleinen Kindes entstehen die sogenannten Erstfiguren. Es sind Gebilde, die sich jedem Einzelnen auf die gleiche Weise aufdrängen (…) Ihre Gestaltung und ihre Abfolge – eine Entwicklung, die von einer Figur zur anderen führt – sind vorbestimmt und entstehen nicht aus gegenwärtigen Wahrnehmungen. Erst im späteren Verlauf der Entwicklung fällt dem Kind eine Ähnlichkeit zwischen diesen Gebilden und in seiner Umwelt entdeckten Dingen auf. So macht es dann aus den Erstfiguren sogenannte Bild-Dinge. Als nächstes entsteht die Absicht, etwas Bestimmtes darzustellen, und so verwandelt das Kind das Blatt in eine Welt, die ihm entspricht, deren Anordnung und Ausmaße seinem Verlangen gerecht werden. Dieses endlose Spiel (…) geschieht ohne fremden Beistand, ohne Vorbilder und auch ohne Zuschauer. (…) Wieviele Erwachsene finden es erstaunlich oder originell, was Kinder zeichnen! Es ist aber nur ein vorgesehener Ablauf, der wie jeder biologische Vorgang seinem Code folgt. (…) Die Formulation, wenn sie nicht von aufdringlichen Fremden gehemmt wird, begleitet den Menschen durch sein ganzes Leben hindurch. Sie ist für große Leute ein genauso unbezweifeltes Spiel wie für kleine.“ ARNO STERN, 2005

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